24. Ein Koffer voller Erinnerungen
- tanja0563
- 24. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Mit diesem letzen Türchen geht das Experiment mit den kurzen Geschichten zu Ende. Ich habe wirklich viel Spaß gehabt und an den -wenigen- Tagen, an denen meine Fantasie nicht gereicht hat, schamlos in die "Kammellen-Box" gegriffen. Es gab viele positive Rückmeldungen und das hat mich sehr gefreut. Ich habe mir mit Erfolg bewiesen, dass ich keinen Schreibkurs am Donnerstag-Nachmittag brauche, um zu schreiben.
Im Januar gibt es zusammen mit den anderen von dem Schreib-Kurs auch eine kleine Lesung. Die gelesenen Werke kommen auf Initiative eines Mit-Schreiberlings in ein kleines Heftchen. Soweit die Aussichten für`s nächste Jahr mit Bezug aufs Geschichten Schreiben.
Heute ist Heiligabend. Ich hoffe, Du kannst den Tag zumindest in Teilen so gestalten, wie es Dir gefällt oder gut tut. Ich mache große Fortschritte in diesem Bereich. Hier nochmal eine Geschichte aus dem Schreibkurs:
Ein Koffer voller Erinnerungen
Der Zeiger nähert sich der Zwölf. Es ist fast Mitternacht am Mittwoch und in Elena schwindet die Hoffnung, dass ihr Koffer noch gefunden würde. Anfangs war sie noch zuversichtlich gewesen, dass er schlichtweg beim Umsteigen in Madrid den Anschlussflug verpasst hatte.
Aber nun sind schon vier Tage ins Land gegangen, der Jetlag verflogen und vor allem wird ihr immer klarer, was sich alles in dem Koffer befand und was sie nun schmerzlich vermisst: der dunkelblaue Kaschmir-Pullover, den sie damals in Kopenhagen gekauft hatte sowie andere Kleidungsstücke, die sie schon seit Jahren begleiteten. Ihr Tagebuch und ihr Lieblingsstift fehlen ihr. Elena wird ganz flau zumute. Ohne all diese Dinge, die sie im täglichen Leben stets umgaben und irgendwie trösteten, fühlt sie sich so ….. exponiert, so ausgeliefert! Sie atmet tief durch und schließt die Augen.
Am nächsten Morgen wacht sie recht erfrischt auf, ein freundlicher Tag bricht an. Im Post-Shop neben der Bäckerei entdeckt sie ein hübsches Schreibset aus leinengebundener Kladde und fein ziseliertem Füllfederhalter. Sie kauft es kurzerhand und schaut in die Sonne. Frohgemut beschließt sie, den verlorenen Dingen nun nicht mehr nachzutrauern. Stattdessen möchte sie den Erinnerungen in ihrem Kopf und ihrem Herzen in dem neuen Büchlein Raum geben. Die kann ihr schließlich niemand nehmen.
Den Koffer voller Dinge vermisst sie von nun an kaum noch. Nach und nach ersetzt sie die Dinge. Statt „nackt“ und „verloren“ fühlt sie sich wie eine gehäutete Zwiebel oder eine Eidechse in ihrer neuen Haut.





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