23. Einhundert Tage
- tanja0563
- 23. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Genaugenommen sind es 102 Tage, aber Ab- und Rückflugs-Tag zählen eigentlich nicht mit. 100 Tage haben sie Sophie nicht gesehen. Denn vor ziemlich genau einem Jahr hatte ihre Tochter an Heiligabend so ganz nebenbei den Wunsch präsentiert, in der 11. Klasse doch gern ein paar Monate ins Ausland zu gehen. Ernie war sofort Feuer und Flamme gewesen und auch Berta hatte sich gewundert, dass sie ernsthaft und wahrhaftig Freude empfand über diesen Wunsch ihrer Tochter.
Als Halbfranzösin wäre Frankreich natürlich naheliegend gewesen, aber Sophie wusste ganz genau, wohin es gehen sollte: nach Spanien. Sie wolle eine neue Sprache lernen. Ernie und Berta hatten sich erstaunt angeschaut. Tja- warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Sie hatten glücklicherweise deutsch-spanische Freunde aus Uni-Zeiten, die in Malaga lebten. Sie suchten das Gespräch und nach etwas Überlegung konnten diese sich vorstellen, Sophie`s Gastfamilie zu sein. Eine passende Schule machten sie auch ausfindig und machten im Sommer auf ihrer Reise von Deutschland nach Südspanien einen Zwischenstop bei Ernie, Berta und Sophia.
Neun Monate nach der ersten Idee wird Sophie`s Wunsch dann Wirklichkeit: 102 Tage ein komplett neues Leben in Malaga/Andalusien. Neues Land, neue Sprache, neues Zuhause, eine gleichaltrige Gastschwester und einen kleinen Gastbruder, deutscher Gastvater und spanische Gastmutter. Neue Schule, neue Mitschüler, neue Lehrer und immer wieder: neue Sprache. Denn in Andalusien spricht man zu allem Übel Spanisch mit einem sehr schweren Akzent. Es ist wohl so, als würde man im tiefsten Bayern deutsch lernen wollen.
Trotz Strand in fünf Minuten Fußweg vom zuhause, tollen Sonnenuntergängen und natürlich sehr viel milderem Wetter, ersten Bekanntschaften in der Schule und der lieben Gastfamilie, die sie sogar zur Verwandtschaft nach Sevilla mitnahmen, gab es natürlich auch Heimweh und schwere Momente. Die schweren Momente aber lassen sie wachsen und sind spätestens in der letzten Woche verflogen. So können Ernie und Berta sich auf eine gut gelaunte Tochter und ein wenig gemeinsame Zeit an Weihnachten freuen. Noch mehr als die beiden hat sich der Familienhund gefreut, der sein Glück über die Heimkehr seiner Sophie ganz offensichtlich gar nicht fassen konnte.
Die sechzehnjährige Weltreisende selber hat nun also gelernt, wie schön es ist, Familie und Freunde zu haben- um immer wieder zu ihnen zurückkehren zu können. Und außerdem, wie wertvoll es ist, woanders heimisch zu werden, neue Menschen an sich heran zu lassen. Das sind so wichtige Lektionen, die man wohl auf keine bessere Art lernen kann.


Ernie, Sophie und Berta




Kommentare