Originale
- tanja0563
- vor 1 Tag
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Als ich vorgestern am frühen Vormittag in der Godesberger Fußgängerzone an meinem riesigen Milchkaffee nippte, beobachtete ich die anderen Kunden, die auch draußen saßen. Genau drei. Nach kurzer Zeit drängte sich mir der Grund für den mangelnden Ansturm auf:
Drei Baustellenfahrzeuge brausten eines nach dem anderen vor das Café und kamen hintereinander zwischen einem Zierbrunnen und einem noch versteckten Hydranten zum stehen. Sechs Bauarbeiter in schwerer Montur, einer davon weiblich, sprangen mit bewundernswertem Elan aus den Fahrzeugen und begannen mit ihrer Arbeit. Nach einer Weile, die ahnen ließ, dass keiner der sechs wirklich Ahnung davon hatte, wie dieser alte Brunnen zu ertüchtigen wäre, wurde der rangniedrigste erstmal losgeschickt, Kaffee to go zu besorgen.
Ich konzentrierte mich wieder auf die anderen drei Gäste und hoffe im Nachhinein, dass ich dies so unauffällig tat, wie es mir in dem Moment erschien. Ich beschäftigte mich immer wieder auch mit meinem Hund zu meinen Füßen und denke, die Sonnenbrille und die Glatze lassen mich wie "unsichtbar" erscheinen, wenn ich das will.
Es saßen da zwei Frauen, Ende dreißig vielleicht. Etwas schwer zu schätzen, da sie beide Kopftuch und verhüllende, helle Kleidung trugen. Jordanische Ärztinnen. Das sah man Ihnen im Detail zwar nicht an, aber ich entnahm diese Informationen dem Gespräch mit Gast drei: Ein älterer Herr (83), der hausbekannt zu sein schien und eine Flasche Cremant bestellte. Also einen Champagner, der bloß nicht so heisst, weil er woanders abgefüllt wurde als in der Champagne. Er war gut gekleidet und sein gelbliches, leicht gewelltes Haar lag dicht am Kopf.
Interessanterweise verwickelte er die Damen am Nebentisch in ein unverfängliches, nettes Gespräch. Schließlich rückte man zusammen und teilte den Cremant. Peinlich berührt ertappte ich mich dabei, dass es mich freute aber auch wunderte, dass Integration hier so selbstverständlich ablief. Natürlich bekam ich nicht jedes Wort mit, schließlich nahmen auch die Bauarbeiter irgendwann wieder ihre Arbeit auf und machten mit einem Kompressor ziemlich Krach. Insgesamt hinterließ diese Szene jedenfalls ein positives Gefühl bei mir.
Heute nachmittag kaufte ich im Aldi ein paar frische Sachen ein. Ich legte sie auf das Band und bekam dann mit, wie eine Mutter ihren beiden Kindern sagte: "Geht ruhig schonmal raus und wartet dort auf mich". Die beiden, ein etwa 4 jähriges Mädchen und ein eher schon 10 jähriger Junge, liefen los und kamen auf dem Weg nach draußen an mir vorbei. Ich suchte den Blick des Jungen und erklärte, als er auf meiner Höhe war: "da draußen ist ein kleiner weißer Hund angeleint. Wenn ihr mögt, dann schaut doch mal, ob das Wasser umgekippt ist oder er noch zu trinken hat." Der Junge schaute mich strahlend an und erwiderte "machen wir".
Als ich dann dazu kam, stand das kleine Mädchen hinter dem Jungen, der etwa 2m neben Edo saß, als würden sie noch vorsichtig Witterung zueinander aufnehmen. Ich befreite Edo, bot an, daß sie den Hund streicheln dürfen und machte mich dann auf den Heimweg. Mal wieder mit einem guten Gefühl.

Und wie konnte ich es vergessen: Morgen ist ein neuer Tag!



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