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9. Student im Advent

  • tanja0563
  • 9. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

(Uschi D)


Den letzten Absatz nochmal lesen, ein paar kleine Korrekturen, dann klickte Susi auf "speichern" und fuhr den Rechner herunter. Sie war zufrieden, denn sie war rechtzeitig fertig mit der Hausarbeit. Genüßlich trank sie den letzten Schluck Rotwein und gönnte sich im Aufstehen auch noch das letzte Stückchen Zartbitter-Schokolade, das sie im Mund zergehen ließ.


Sie stand gerade vor dem bodentiefen Spiegel und überlegte, ob sie sich für den Weihnachtsmarkt noch umziehen müsste, als es klopfte und nach ihrem "Herein" ihre Mitbewohnerin den Kopf ins Zimmer steckte. "Bist Du fertig?" fragte Dörthe gut gelaunt. "Ja, klar," strahlte Susi, "fertig mit der Hausarbeit und ausgehfertig". "Supi, dann mal los!"


Die beiden schlüpften in Stiefel und Mantel, Mütze und Handschuhe und schwangen sich auf die Fahrräder und machten sich auf zum Weihnachtsmarkt. Am Bahnhof stellten sie die Räder ab und bummelten in der festlich beleuchteten Fußgängerzone an den verschiedenen Ständen entlang, bis sie zum großen Glühweinstand auf dem Münsterplatz kamen. Sie orderten zwei Glühwein und fanden eine schnuckelige Ecke, wo sie in Ruhe das Geschehen betrachten und das Heißgetränk genießen konnten.


"Wie fandest Du die Weihnachtsfeier im ARITHMEUM?" fragte Dörthe. In diesem Museum jobbten sie beide noch bis zum Jahresende als studentische Hilftskräfte. "Total toll, "schwärmte Susi. "Die haben ja echt voll was aufgefahren! Ich kannte solche üppigen Weihnachtsfeiern für die Mitarbeiter lange gar nicht. Aber in dem Altenheim, wo ich vorher gejobbt habe, gab es eine immerhin eine große, stimmungsvolle Weihnachtsfeier für Bewohner und Mitarbeiter. Das war heimelig und süß! Manche der älteren Leute waren ja schon sehr tüddelig, aber "O Tannenbaum" haben sie irgendwie alle noch mitgesungen."


"Ja, das kenne ich aus meinen Turngruppen. Weihnachten berührt doch irgendwie alle und jedes Jahr wieder!" erwidert Dörthe. "Stimmt, auch früher an der Tankstelle wurden die Kunden immer besonders freundlich, wenn ich an den Weihnachtstagen an der Kasse stand." fügte Susi hinzu. Beide nippten vorsichtig an dem sehr heißen Glühwein.


"Ich bin gespannt, wie uns unsere neuen Studi-Jobs gefallen werden. Freust Du Dich auf die Arbeit in der Arbeitsgruppe an der Uni?" wechselte Dörthe das Thema. "Ja, klar! Ich freue mich auf die Arbeit, denn das hat viel mehr mit meinem Geografie-Studium zu tun!" schwärmte Susi. "Einerseits analysieren wir dort Krankenwagen-Fahrten räumlich und zeitlich - mit dem Ziel, Krankenwagen im ländlichen Raum so zu positionieren, dass im Notfall auch dort innerhalb von 15 Minuten beim Patienten sind. Gleichzeitig erforschen wir die Zusammenhänge zwischen unserer Umwelt und unserer Gesundheit! Ich kann da sogar meine Diplomarbeit über Wassermanagement in Delhi schreiben und dafür auch selbst nach Indien reisen und Daten erheben!"


Susi war selig. Im Frühjahr 1999 war sie sechs Wochen durch Mexico gereist und hatte die Faszination der Ferne erfahren. Das sie ermutigt, 2000-2001 ein Auslandssemester in Italien zu machen. Nach ihrer Rückkehr aus Bologna hatte sie nicht zurück in ihre alte Dreier-WG mit zwei langweiligen Jura-Studentinnen zurück gewollt. Stattdessen war sie zur Zwischenmiete bei Dörthe in eine sehr viel nettere Zweier-WG gezogen.


"Und Du, bei dieser Unternehmensberatung, hast Du ein gutes Gefühl?" erkundigte sich Susi nach Dörthe's zukünftigem Job. "Ja, schon. Der Oberchef ist echt ein innovativer Kopf und das Arbeitsklima erscheint mir gut. Meine Aufgaben scheinen auch sehr abwechslungsreich zu sein und ich kann mir die Arbeitszeit ziemlich frei einteilen. Darum bin ich zuversichtlich, daß es ganz in Ordnung sein könnte!"


Ein von beiden gern gehörter Coldplay-Song erklang aus den Boxen und Susi und Dörthe geben sich einen Moment der Musik hin. "Coldplay wird mich immer an Dich erinnern" lachte Susi, die durch Dörthe auf diese Newcomer-Band aufmerksam geworden war. "Hm," summte Dörthe lächelnd. "Tja, wer weiß, was in 25 Jahren aus uns geworden sein wird!" "Tja, wer weiß....vielleicht ganz gut, daß wir das nicht wissen!" meinte Susi nachdenklich und nahm eine großen Schluck vom Glühwein. "Prost- auf alles was da kommen mag!"






 
 
 

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