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8. Eisblumen

  • tanja0563
  • 8. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

(Stichwort und Foto: Franzsika)

 

Bello drückte sich die schwarze Hundenase an der kalten Scheibe platt: was für eine Aussicht! Und dann auch noch umrahmt von diesen entzückenden Eisblumen! Eisblumen waren im Grunde flache und still am Fenster klebende Schneeflocken, die man in Ruhe anschauen konnten. Die hielten still, lösten sich nicht sofort auf wie Schneeflocken. Er hatte schon so viele verschiedene Formen von Eisblumen bewundert!

 

Dann wandte er sich mit hängendem Schwanz ab. Aber alles andere war hier so fremd! Das neue Herrchen und besonders das neue Frauchen waren zwar sehr nett zu ihm und auch nicht zu übergriffig. Sie versuchten, ihm Zeit zu geben. Aber Bello war einfach total durcheinander. Geboren in Andalusien, dann mit seinen Geschwistern ausgesetzt, von den Geschwistern getrennt in einer Familie mit kleinen Kindern aufgenommen, war er wieder abgegeben worden. Er hatte sich an die zweite Pflegestelle gewöhnt und war nun erneut abgegeben und nach einer langen Autofahrt hier gelandet. War das nun für länger sein neues zuhause? Oder für immer? Er war erst sieben Monate alt und hatte doch schon so viel erlebt…

 

Er tappste nochmal zu den Eisblumen am Fenster zurück. Sie waren immer noch da. Sie klebten außen am Fenster, denn innen war es schön warm. Vielleicht war das ein Zeichen für die Beständigkeit, nach der Bello sich so sehnte? Er wedelte vorsichtig mit dem Schwanz. Sein neues Frauchen kam zu ihm. Auch sie freute sich über die Eisblumen und erzählte ihm eine Menge. Er verstand natürlich nicht alles, aber es klang freundlich und er wedelte weiter mit der Rute.

 

Irgendwann änderte sich die Stimmlage vom Frauchen und das Wort „Spaziergang“ fiel mehrfach. Fast ohne darauf Einfluss nehmen zu können, wedelte Bello’s Schwanz noch freudiger und er folgte dem neuen Frauchen erwartungsvoll. „Leine dran -klick- und los“ lachte das Frauchen und gemeinsam stapften sie hinaus in den schneebedeckten Garten.

 

Sie fanden schnell einen gemeinsamen Rhythmus und ein gutes Geh-Tempo. Immer wieder schaute Bello hoch zu seinem Frauchen und sie schienen sich anzulächeln. Der Wald stand still und schwieg, unten breitete der See sein Blau aus- es war einfach nur herrlich. An einer kleinen Anhöhe schienen sie dasselbe unhörbare Kommando wahrzunehmen und rannten los wie um die Wette.

 

Nach einer guten Stunde näherten sie sich mit roten Wangen und langer Zunge wieder dem Haus, es dämmerte schon ein wenig und die Fenster strahlten ein warmes Licht aus. Das Herrchen machte ihnen lachend die Tür auf „Na ihr habt’s ja lang ausgehalten in der Kälte!“ Mit einladender Geste winkte er die beiden hinein und zu frischem Wasser und Futter für Bello und - für das Frauchen- heißen Kakao.

 

Erwartungsvoll  schaute er das Frauchen und den neuen vierbeinigen Mitbewohner an, der sich hungrig über das Futter hermachte. Schließlich grinste er in das zufriedene Schweigen hinein und lachte. „Na, ich glaube, der Kleine hier ist tatsächlich schon komplett angekommen!“

 

Das Frauchen fiel erleichtert in das Lachen ein aber konnte es nicht lassen, das ein oder andere „aber“ anzuführen. Dann fiel der Blick der beiden neuen Hunde-Eltern auf Bello. Der hatte nach beendeter Mahlzeit wieder am Fenster Platz genommen und schaute versonnen auf die Eisblumen am Fenster und schien dabei glücklich zu lächeln.

 
 
 

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