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7. Rotkehlchen

  • tanja0563
  • 7. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

(Esther)

 

(Foto: Esther)


Robin war ein ganz normales Rotkehlchen. Er hatte sich längst damit abgefunden, eines unter sehr vielen Rotkehlchen zu sein. Auch dass er von seinem feschen Aussehen mit der orangeroten Brust und den süßen, dunklen Knopfaugen leicht als ein solches ganz normales Rotkehlchen identifiziert wurde, hatte er akzeptiert. Dass aber kaum jemand wusste, dass das hübsche, „normale“ Vogelgezwitscher sein Lied war, das wurmte ihn doch ein wenig. Darum sang er umso öfter!

 

Morgens war er oft der erste, der seine klangvolle Melodie anstimmte und auch spätabends sang er noch. Vielmals war auch er es, der die tollsten Futterquellen ausmachte und sich dann nicht zu schade war, den anderen Vögeln den Weg dorthin zu weisen. Somit könnte man denken, dass Robin ein ganz zufriedenes Vogelleben dort am Waldrand lebte.

 

Aber leider gab es unter seinen Vogelfreunden ganz toxische Genossen. Und deren Sprüche und Verhaltensweisen nahm Robin sich leider sehr zu Herzen. Der Eichelhäher zum Beispiel, ging gern direkt nach Robin zur tollen Futterstelle bei der dunkelhaarigen Frau, aber dann fegte er mit seinen langen Federn das Futter auf den Boden und schimpfte: „Pah, der tolle Robin meint mal wieder, ein toller Hecht zu sein, weil er feines Futter gefunden hat und laut rumträllert- aber guck doch mal, es ist überhaupt gaaar nichts mehr da“!

 

Die anderen Vögel saßen auf den Ästen der umstehenden Bäume und guckten enttäuscht zu dem leeren Vogelhäuschen. Die flinken Mäuschen jedoch freuten sich, denn sie trauten sich auch, das Futter am Boden aufzusammeln und zu vernaschen.

 

Robin schwieg bei solchen Gelegenheiten stets verschämt und ärgerte sich still. Ob er irgendwann den Mut aufbringen würde, sich zu wehren? Als er eines Tages genau darüber nachdachte, kam eines der Mäuschen zu ihm getrippelt. „Hey, Robin,“ flüsterte das Mäuschen, „mach Dir nichts draus. Ich glaube, dass Du versuchst, dem blöden Eichelhäher Kontra zu geben, oder?“ Robin schaute sich zuerst verwundert um und entdeckte dann das Mäuschen. „Stimmt“, bestätigte er schließlich.

 

Da stellte sich das Mäuschen auf die Hinterbeine und flüsterte ihm eindringlich zu: „Versuch es erst gar nicht. Wende Deine Energie nicht gegen ihn, er dreht Dir doch bloß einen Strick draus.“ Robin sah verdattert aus. „aber was soll ich denn stattdessen machen? Nichts machen und einfach nur stumm und stocksteif dastehen oder flüchten kann es doch auch nicht sein!“ Das Mäuschen nickte mit seinem Köpfchen und erklärte “ne, stimmt schon- damit geht es Dir ja auch nicht gut“.

 

Es rückte noch ein Stückchen näher und Robin hörte genau hin als das Mäuschen dozierte: „Wenn der Eichelhäher was Fieses sagt, musst Du Dir einen Moment Zeit nehmen und an die TRIO-Regel denken:

  1. Erstens: werde Dir bewusst, dass er Dich an Deinem schwachem Punkt getroffen, Dich geTriggert hat.

  2. Zweitens: mache den Realitätscheck. Stimmt überhaupt was er sagt? (Wahrscheinlich nicht!)

  3. Drittens: baue eine innere Wand, lass nicht zu, dass die Lügen Dich treffen!

  4. Viertens: Output-Kontrolle: Sag etwas ganz neutrales. Sowas wie „Okay, interessant dass Du das so siehst“ oder „Danke für Deine Einschätzung“.

 

Und damit nimmst Du die Energie raus. Also nicht Kontra geben, sondern Schaumstoff vor Deine innere Wand kleben. Und der Eichelhäher wird Dich immer mehr in Ruhe lassen.“ Das Mäuschen nickte nochmal zufrieden und war flugs wieder im Wald verschwunden.


Robin plusterte sich auf und schüttelte nachdenklich sein Federkleid. Vielleicht gar nicht so dumm, was das Mäuschen ihm da zugeflüstert hatte! Er flog wieder in den Wald hinein und lernte die TRIO-Regel auswendig. Fast freute er sich auf die nächste Gelegenheit, das Gelernte anzuwenden! Und die Rückenstärkung von dem kleinen Mäuschen freute ihn ganz besonders!



Mit frischem Mut und mehr Selbstbewusstsein begegnete das ganz normale Rotkehlchen ab der Blaumeise, dem Kleiber und dem Buntspecht. Und Robin fühlte sich manchmal sogar wie ein ganz besonderes Rotkehlchen.








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Vera F. Birkenbihl spricht ausführlicher über den Umgang mit toxischen Persönlichkeiten:



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

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