5. Hutablage
- tanja0563
- 5. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
(Yasmin W)
Tarummm, Tarummmmm, Tarummmmm. Das gleichmäßige Rattern über die Gleise hatte etwas einschläferndes, fand Luise. Zudem war ihre Nacht sehr unruhig gewesen und nun saß sie endlich für einige Stunden in diesem Regionalexpress gen Norden. Ihr Koffer war sicher auf der Gepäckablage über ihr verstaut und ihr Mantel lag auf der Hutablage. Nichts sprach also dagegen, nun ein gepflegtes Nickerchen einzulegen.
Hutablage. Wer trug denn heutzutage noch einen Hut? Vielleicht noch am ehesten Piloten, Zöllner, Polizisten, …. Menschen, die für ihren Job in eine andere Rolle schlüpfen…. Luise`s Augenlider wurden schwerer und schwerer und fielen schließlich zu. Tarummmm, Tarummmm, Tarummmm…
Weit vom Horizont näherte sich zunächst aufgewirbelter Staub, dann Hufgetrappel. Als der schwarze Hengst und sein Reiter nah genug gekommen waren, erkannte Luisa den Cowboy Joe, der schließlich vor ihr sein Pferd zum Stehen brachte, sie anlachte und seinen Cowboy-Hut zog. „Hey Luisa, wie geht’s?“
Sie hatte sich weggedreht und mimte nun die Überraschte. „Ach, Du bist das, Joe“, antwortete sie zuckersüß mit schüchternem Augenaufschlag. „Was führt Dich denn hierher?“ fügte sie hinzu und prüfte den Sitz ihres Sonnenhuts mit breiter Krempe. Die Sonne stand hoch am Himmel und sie musste ihre Haut und ihren Teint unbedingt schützen. Außerdem hatten ihre Haare dringend eine Wäsche nötig.
„Nach unserem letzten Treffen hatte ich einfach Lust, Dich wiederzusehen“ strahlte er sie an. „und darum hab ich auf meinem Weg zu den Kälbern der O`Brien‘s einen kleinen Schlenker gemacht….in der Hoffnung, Dich wiederzusehen“. Mittlerweile war Joe elegant aus dem Sattel geglitten, hatte das Pferd angepflockt und ihm Wasser angeboten. Erwartungsvoll schaute er Luisa aus angemessener Entfernung an.
„Möchtest Du Dich mit meiner hausgemachten Limonade erfrischen?“ bot Luisa ihm höflich an. „Oder….“ verbesserte sie sich, „hättest Du lieber etwas stärkeres?“ „Nein, nein, ich würde nur zu gern Deine berühmte Limonade kosten! Aber nur, wenn es Dir keine Umstände macht!“ „Nein, nein - gar keine Umstände“, versicherte Luisa. „Nimm doch auf der Veranda Platz, wenn Du magst?“ lud sie ihn mit einer vagen Geste auf die überdachte Terrasse ein, auf der gemütliche Schaukelstühle standen, während sie in das Holzhaus ging, um ein Tablett mit der gekühlten Limonade und zwei Gläsern zu holen.
„Jetzt bloß nicht stolpern“ dachte Luisa mit dem Tablett in der Hand, als plötzlich alles anfing zu ruckeln und zu schwanken. Tarummmmm, Tarummmm, Tarummmmm…..und sie erwachte vollends aus ihrem Traum, als der Schaffner die Abteiltür mit einem Ruck öffnete und „Die Fahrkarten der neu zugestiegenen Fahrgäste, bitte“ rief. Luisa starrte verschlafen auf seine Schaffnermütze, auf die Hutablage, rieb sich die Augen und fing an, ihr Deutschlandticket herauszukramen.





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