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4. Büttel

  • tanja0563
  • 4. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

(von Frauke W)


 

„Müsst ihr Euch immerzu streiten?“ schimpfte die Mutter mit hochrotem Kopf, wirrem Haar und je einem zappelnden, plärrenden Kind an der Hand. „Ihr bleibt jetzt schön still hier sitzen und vertragt Euch. Und in einer Stunde will ich kein Gezanke mehr hören und vor allem KEINE SCHIMPFWÖRTER!“.

 

Felix und Luzie warteten, bis die Mutter das Zimmer wutschnaubend und zeternd verlassen hatte, und dann noch einen Moment. Dann erhoben sie vorsichtig die Köpfe und grinsten sich an. Die beiden Zwillinge gehörten einfach zusammen, liebten einander sehr- aber sie hatten durchaus auch oft unterschiedliche Meinungen, Interessen und Bedürfnisse. Sie rieben sich aneinander und gleichzeitig brauchten sie sich gegenseitig.

 

Und eine Art, sich zu reiben, war nun mal, sich mit Schimpfwörtern zu verspotten und zu beleidigen. Das passierte irgendwie ganz automatisch, die beiden hatten gar keine Kontrolle darüber. Aber dass die Mutter sich darüber so fürchterlich aufregte, fanden beide auch nicht mehr schön. Konnte sie sich da nicht raushalten? Offensichtlich nicht. Sie tat den beiden irgendwie leid.

 

„Ich habe eine Idee“, rief Luzie plötzlich. „Wir denken uns ein neues Schimpfwort aus!“ „Ein gaaanz fieses, böses, das allerschlimmste, was es gibt“, führte sie weiter aus. „Aber eines, das niemand kennt!“ Felix musste einen Moment nachdenken, bis er Luzies Idee begriff. „Ja, genau! Und dann weiß die Mutter gar nicht, dass wir ein Schimpfwort sagen und sie muss sich nicht aufregen!“ Luzie grinste zufrieden und nickte zustimmend.

 

Beide verfielen in stummes Grübeln, das durch murmelnde Ausrufe von Probe-Wörtern unterbrochen wurden. Aber die ersten Versuche, ein ausreichend böses aber dabei unauffälliges Schimpfwort zu finden, führten zu übereinstimmendem Kopfschütteln „nein, zu lang“, „ihh- eklig“, nein, nicht böse genug“. Nach einer Weile spuckten sie beide fast gleichzeitig das Wort „Büttel“ aus. Wunderbar, da konnte man richtig seine Wut mit in den Ausruf reinkotzen! Sie sprangen auf, nahmen sich bei den Händen und tanzten einen Ringelreihen und sangen dabei lachend „Du Büttel Du, lass mich in Ruh‘!“

 

Du Mutter hörte das wohl und kam herein. Als sie ihre beiden da so singen und tanzen sah, musste sie schmunzeln. „Na, vertragt ihr euch nun?“ „Jaaa!“ riefen Felix und Luzie im Chor. „Wollen wir übermorgen eine Runde über den Nordhorner Weihnachtsmarkt gehen? Es ist Nikolausknobeln….“!

 

Die Kinderaugen leuchteten. Auf den Weihnachtsmarkt, das wäre soo schön! Die Mutter nahm den beiden das Versprechen ab, nicht mehr lautstark zu streiten und keine Schimpfworte mehr zu benutzen. Wenn sie das schaffen würden, ginge sie mit ihnen zum Weihnachtsmarkt.

 

Und glaub es oder nicht- seit dem Tag, auch nach dem Besuch des Nordhorner Weihnachtsmarkts, haben Felix und Luzie nie mehr gestritten. Und wenn sie das Wort „Büttel“ als geheimes Schimpfwort verwendeten, mussten sie direkt lachen.



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Dieses heimelige Video zum Weihnachtsmarkt in meiner Heimatstadt Nordhorn hat mir Maria T geschickt und ich denke gerne an das Knobeln am 5.12. zurück, mit dem ich aufgewachsen bin. Einmal war ich vor Jahren nochmal mit Emillia da, als sie aber noch zu klein war und fürchterliche Angst vor dem Nikolaus hatte....2026 wird es auf einen Samstag fallen....mal sehen....: )


 

PS: In Wirklichkeit gibt das Wort "Büttel" wohl. Es bedeutet tatsächlich sowas wie "Lakai", eine Person, die zu niedrigen Diensten missbraucht wird. Ob die Mutter von Luzie und Felix das wusste oder nicht, weiß ich nicht. Aber durch den Gebrauch dieses bestimmten, vereinbarten Wortes gelang es den Kindern, ihre Impulse zu kontrollieren.


Meinem vier Jahre jüngeren Bruder und mir erging es ganz ähnlich, als wir als Kinder vereinbarten, für jeden Streit eine Strafgebühr von 50 Pfennig in eine gemeinsame Spardose zu bezahlen. Die hat sich aber nicht gut gefüllt, weil wir seitdem einfach nicht mehr gestritten haben. Aus erlernter Impulskontrolle und nicht etwa aus Geiz!


Und noch was in eigener Sache: Normalerweise habe ich ja den Blog abends als Reflektion über den Tag geschrieben. In der Regel irgendwann vor Mitternacht gab's einen neuen Blogeintrag. Manche lasen das dann abends noch, viele erst am nächsten Morgen oder auch noch viel später. (Ja, das WANN kann ich der Statistik entnehmen, auch in welchen Ländern, aber nicht WER liest!!)


Bei den Adventskalender-Geschichten möchte ich gerne, dass man die erst (ab) morgens aufmachen und lesen kann. Darum hab ich den Rythmus umgestellt. Die Geschichten schreibe ich sowieso vorher und dauernd in jeder freien Minute und habe sehr viel Freude dabei. Den Blog mit der aktuellen Geschichte habe ich fertig vorzubereitet und dann morgens als erstes online gestellt, was bei mir um 6, manchmal aber auch erst um 8 Uhr sein kann. Nun habe ich eine Planungs-Funktion gefunden, mit der der Blog automatisch zu einer vorher bestimmten Uhrzeit online geht. Darum gibt es das neue "Törchen" nun immer ab 5.00 Uhr. Als solidarischen Trost für die Frühaufsteher sozusagen. : )

 
 
 

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