16. Gesellschaftsspiele
- tanja0563
- 16. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
(Susanne)
Gustav ist ein kleiner guter Geist. Wir können ihn nicht sehen. Aber wir merken, wenn er da ist: denn dann bekommen Gesellschaftsspiele einen hohen Stellenwert!
Wenn Gustav jemanden besucht, kann es passieren, dass sie einen Geistesblitz hat und ihr eine neue Spielidee einfällt. „Einfach so“, denkt sie. Tatsächlich aber hat Gustav sie inspiriert, ohne dass sie es merkt.
Wenn Freunde, Bekannte oder manchmal auch Kollegen zusammensitzen und plötzlich jemand vorschlägt: „lasst uns ein Spiel spielen!“ ist meistens Geist Gustav da gewesen und hat Lust zu spielen verbreitet.
Gustav freut es, wenn Menschen Spiel-Routinen entwickeln: dienstags und donnerstags Rummy-Cup mit dem Bruder und den dazugehörigen Frauen, gemischter Spieleabend zu festen Terminen in einer Gruppe von Spiel-Freunden. Dort kommen „Siedler von Catan“, „Azul“, „Ubongo“, „Dixit“, „Meisterwerke“, „Eselsbrücke“, „Nochmal“ oder „Tabu“ auf den Tisch. Andere Gruppen spezialisieren sich darauf, jedesmal ein ganz neues, brandaktuelles Spiel auszuprobieren.
Routinierte Gruppen schaffen es nämlich, ganz ohne Gustav zu spielen. Sie haben sozusagen Spiel-Lust entwickelt und wollen am liebsten gar nicht mehr aufhören. Auf Doppelkopf und manch anderes Kartenspiel trifft das auch zu.
Eines Tages jedoch trifft Geist Gustav auf Björn. Björn ist noch sehr jung, er geht morgens in den Kindergarten. Mittags holt sein Großvater ihn ab und er verbringt den Nachmittag auf dem Bauernhof der Großeltern. Seine Eltern holen ihn am Abend ab, oft ist es dann schon dunkel.
Björn ist ein ruhiges Kind und macht einen zufriedenen Eindruck. Er streitet nicht mit den anderen Kindern und benimmt sich vorbildlich bei den Großeltern. Aber Gustav bemerkt, dass Björn nie spielt. Weder mit den anderen Kindern, noch allein. Und dabei geht es gar nicht nur um Gesellschaftsspiele. Dafür ist er ja auch noch ein bisschen zu klein.
Eigentlich liebt Gustav es, den natürlichen Spieldrang bei Kindern zu beobachten. Im Grunde bezieht er daraus seine Geist-Energie. Normalerweise spielen Kinder mit allem, was sie so finden. Mit regelrechtem Spielzeug, aber auch mit Pfützen, Steinen und Stöcken- oder auch Kochtöpfen und Löffeln. Hauptsache, das Treiben erfüllt keinen Zweck und schafft Freude.
Björn hingegen schaut nur zu oder starrt einfach ins Nichts. Anfangs wurde er noch zum Mitspielen aufgefordert, aber da er immer nur kopfschüttelnd ablehnt, hörten sie auf, ihn zu fragen. Bei seinen Großeltern sitzt er entweder still neben der strickenden Oma oder hilft ihr beim Gemüse putzen oder Obst einmachen. Manchmal setzt er sich auch in den dunklen Kuhstall und sieht zu, wie warme Atemluft aus den Nüstern der Kühe aufsteigt.
An so einem Nachmittag setzt sich Gustav neben Björn. Er kratzt sich an der Stirn. Und dann reibt er sein linkes Ohrläppchen. Und dann fliegt er dreimal um Björn herum. Aber es hilft nichts. Der Junge sitzt einfach nur da und macht rein gar nichts. Und erst recht nichts, was mit Spiel und Freude zu tun hat. Gustav ist ratlos.
Ohne seine Mission erfüllt zu haben, fliegt er weiter. Auf einem dicken Ast in einer großen Buche in der Nähe setzt er sich nieder und denkt über Björn nach. Es tut ihm leid für den Jungen und gleichzeitig kränkt es auch seinen Stolz, dass er bei diesem Kind keinen Spieltrieb anfachen kann. Er macht sich Sorgen.
Da kommt Fee Fiona angeflogen und setzt sich neben ihn. Sie wartet einen Moment und kann nach wenigen Atemzügen erfassen, was für ein Problem in der Luft liegt. „Hmmmmm“, sagt sie leise. „Du würdest diesen Jungen gern spielen sehen, auf dass er die damit verbundene Freude empfinden könne, stimmt’s?“ „Ja, genau“, seufzt Gustav.
Fiona lächelt. Es ist nicht einfach, was sie Gustav erklären möchte. „Schau mal, mein Freund. Es ist so: du kennst die Freude des Spielens. Es ist etwas ur-kindliches. Und du kannst sie vielen Erwachsenen zurückbringen. Das ist sehr toll. „Ja, genau“, strahlt Gustav.
„Aber,“ Fee Fiona spricht ganz vorsichtig weiter, „denkst Du, dass der kleine Björn unglücklich oder gar traurig ist?“ „Hm“, Geist Gustav kräuselt die Stirn und denkt nach. „Nicht so richtig“, muss er zugeben. „Siehst Du“, fährt Fiona fort, „Björn ist einfach anders. Aber er ist in Ordnung so!“
Sie wartet einen Moment und gibt Geist Gustav die Möglichkeit, ihre Worte sacken zu lassen. Dann erklärt sie ihm: „Es gibt ein wahres Wohlgefühl jenseits der Freude, die aus dem Spiel und der Gemeinschaft erwächst.“ Gustav legt den Kopf schief. „Man kann es nicht sehen, aber Björn träumt, er meditiert, er schafft es, sich ganz allein dieses ganz andere Wohlgefühl zu verschaffen.“
Fiona fliegt ein paarmal um Gustav herum, wie um ihren Worten mehr Gewicht zu geben. Gustav erhebt sich ebenfalls in die Luft. „Ich habe verstanden, vielen Dank, Fiona!“ Gustav dreht noch eine Runde um das Haus, in dem der kleine Björn still am Fenster sitzt und hinausschaut. Aber nun nicht mit dem Gedanken, dass mit dem Kind was nicht stimmt, sondern dass es ein ganz besonderes Geschöpf ist.





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