top of page

10. Sternenstaub

  • tanja0563
  • 10. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Dez. 2025

(Birgit)


Finchen und Heinrich machten eine Wanderung. Sie hatten sich Stullen geschmiert, eine Kanne mit Tee befüllt und wollten den ganzen Tag unterwegs sein. Die Wettervorhersage war erstaunlich gut für Dezember und gerade jetzt in der Adventszeit hatten die beiden Wichtel immer so viel zu tun, dass eine Pause umso wichtiger war.

 

Es war nicht weit zum Waldrand und die Luft war direkt viel frischer. „Ahhh, sagte Finchen, wie gut das tut, mal weiter gucken zu können! Nicht immer nur auf die Wunschzettel und Päckchen….die Leute wünschen sich irgendwie immer mehr, oder?“ wandte sich Finchen an Heinrich. Der murmelte zunächst etwas in seinen Bart. Das kannte Finchen schon. Es dauerte ein Weilchen, bis er seine vielen Gefühle und Gedanken so sortiert hatte, dass er sie in Worte fassen konnte.

 

Am liebsten sprach er sie erst dann aus, wenn sie eine kleine Pause machten. So wie in dem schattigen Tal, in dem im Herbst viele feine Pilze wuchsen. Sie hockten sich je auf einen Stein, atmeten tief ein und aus und schlossen für einen Moment die Augen. Als sie sie dann wieder öffneten, lag die Verwunschenheit dieses Ortes wie ein Geschenk vor ihnen und ein Leuchten lag in den Augen der beiden. „Die Leute wünschen sich immer mehr Dinge, die man kaufen und in Päckchen verpacken kann, weil sie Geschenke wie die Schönheit dieses Ortes und das Glück, sowas mit einem geliebten Menschen zu erleben, immer weniger wertschätzen.“ sprach Heinrich.

 

„Das ist eine interessante These, mein Lieber“, meinte Finchen. „Hast Du auch eine Idee, warum das so sein könnte?“ wollte sie wissen. „Hm“, murmelte Heinrich in seinen Bart, half Finchen beim Aufstehen und sie wanderten erstmal weiter. Der Weg führte sie aus dem schattigen Tal und dem dichten Fichtenwald hinaus und in einen lichteren Mischwald hinein. Hier hatten die meisten Bäume die fahlen Blätter fallen gelassen wie unnötige Sorgen, wie Ballast, den man nicht brauchen kann. Die Sonne, die zu dieser Jahreszeit nur einen flachen Bogen am Himmel zog, malte Schatten auf den mit Laub bedeckten Waldboden und strahlte, so fest sie nur konnte.

 

Auf einer Lichtung, die besonders sonnenbeschienen war, hielten sie wieder inne. Heinrich schaute Finchen erwartungsvoll an und sie nickte lächelnd: dies war die ideale Stelle und ein guter Moment für ein Picknick. Beim Essen schwiegen sie weiter. Sie konzentrierten sich auf den Geschmack der kleinen Köstlichkeiten. Na gut- es waren nur Stullen und Tee. Aber nach der zurückgelegten Wegstrecke war auch so etwas Einfaches eine Köstlichkeit. Und „nach dem Essen sollst Du ruhn‘“ war bei den beiden auch eine lieb gewordene Regel. Erst recht, wenn danach noch tausend Schritte getan werden wollten.

 

Als sie nach dem Nickerchen die Sachen zusammenpackten und weiter gehen wollten, bemerkte Finchen an mehreren Stellen seltsame helle Flecken. „Du, Heinrich, schau mal! Was ist das?“ wies sie ihren Liebsten auf die hellen Flecken hin. Überrascht fasste er Finchen am Arm. Aufgeregt flüsterte er „Wenn mich nicht alles täuscht, ist das Sternenstaub!“ „Sternenstaub? Was soll das denn sein?“ fragte Finchen und runzelte die Stirn. „Lass uns ganz vorsichtig der Spur aus hellen Flecken folgen. Mit etwas Glück kann uns dann eine Elfe persönlich erklären, was Sternenstaub ist!“ Das fand Finchen sehr spannend. Die beiden suchten nach mehr hellen Flecken und wurden fündig. Tatsächlich führte die Spur nach Osten auf eine kleine Anhöhe und endete an einer großen, mächtigen Eiche. An deren Fuß saß tatsächlich eine kleine Elfe, die gerade ihr Krönchen richtete.

 

„Oh-holefo, zwei-heilefei Wich-hicht-tel-fel!“ begrüßte diese die beiden leise und in Elfendialekt. „Guten Tag, kleine Elfe“ sagte Heinrich mit einer kleinen Verbeugung, der sich Finchen anschloss. Wir hoffen, es geht Dir gut? Wir sind der Spur aus hellen Flecken gefolgt… und ich habe mal gehört, dass diese hellen Flecken sogenannter Sternenstaub sind, der aus getrockneten Elfentränchen besteht. Stimmt das?“ Die Elfe nickte etwas beschämt. „Oh, du liebe Elfe, warum musstest Du denn weinen? Können wir Dir helfen?“ bestürmte Finchen bekümmert die Elfe. „Ach-hachlefach, jetzt-hetzlefest ist-histlefist alles-lefest schon-honlefon wie-hielefied-der-herlefer bess-hesslefess-er-herlefer. Ich-hichelfich richt‘-hichtleficht mein-heinfelfein Krön-hölefön-chen-henlefen und-hundlefund weit-heitlefeit-er-herlefer geht’s-hetslefez.“

 

Mit Bewunderung sahen die beiden Wichtel zu, wie die Elfe weiter ihr Krönchen richtete, auch die Flügelchen glattstrich und sich richtig aufrichtete. Plötzlich war die Elfe gar nicht mehr so klein. Die Elfe lächelte den beiden zu und rief „Dank-hanlefank-ehelefe-schön-hönlefön!“

 

Heinrich und Finchen sahen ihr nach, wie sie vom Fuß der Eiche aus der Sonne entgegen flog. Finchen fasste nochmal zusammen: „Die hellen Flecken waren also getrocknete Elfentränchen. Und die werden Sternenstaub genannt. Weißt Du auch, warum?“ Heinrich war etwas aufgeregt nach dieser Begegnung und er murmelte gar nicht erst in seinen Bart sondern teilte sofort mit Finchen, was er mal gehört hatte: „Die Elfentränen trocknen, wenn die Elfe es schafft, wieder aufzustehen, ihr Krönchen zu richten und weiterzuleben. Die getrockneten Tränen, also der Sternenstaub, wird vom Wind in die ganze Welt getragen und hilft den Leuten beim Wünschen! Mit ein bisschen Sternenstaub in den Augen wünschen sie sich wirklich schöne Dinge: Zeit mit den Liebsten, gemeinsames Lachen, Bewegung an der frischen Luft, … Dinge eben, die wir nicht in Päckchen packen müssen!“ lachte er.

 

Finchen war ganz beseelt von dieser Erkenntnis. Und musste dann aber doch hinzufügen „Naja- ein paar Päckchen wollen wir ja wohl auch packen - sonst haben wir am Ende gar nichts mehr zu tun!“ „Natürlich“, stimmte Heinrich zu.

 

Sie mussten sich nun so langsam auf den Heimweg machen, denn die Sonne stand schon recht tief. Die beiden schauten sich etwas laufmüde an und waren sich auch ohne Worte einig: Finchen spitzte die Lippen und stieß einen ganz speziellen Pfiff aus. Wenig später landete ein netter Waldvogel neben ihnen und trug sie auf seinen Fittichen nach Hause.

 

Später in der Koje wurde Heinrich nochmal gesprächig. „Hach, die Idee mit dem Waldtaxi war wirklich gut, es wäre noch arg weit zu laufen gewesen“. Wohlig kuschelte Finchen sich an ihren Heinrich und hmmmmte zustimmend. „Und unsere Begegnung mit der Elfe hat ja auch meine Frage beantwortet: „Die Leute können Geschenke, wie die Schönheit eines Ortes und das Glück, Momente mit anderen Menschen zu erleben, weniger wertschätzen, weil es weniger Sternenstaub gibt, der ihnen beim wünschen hilft!“ „Hm,“ brummte Heinrich. „Und warum es weniger Sternenstaub gibt, darüber denken wir dann morgen nach, einverstanden?“ Aber das hörte Finchen nicht mehr, da sie bereits eingeschlafen war.




 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen

©2023 von Flow Wolf Fly. Erstellt mit Wix.com

bottom of page