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Passende Tage

  • tanja0563
  • 20. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Ich verstehe schon, dass es besonders für Leute, die arbeiten, echt doof ist, wenn es morgens so spät hell und abends früh dunkel wird. Aber es passt ziemlich gut zu meinem Energielevel! Ich habe den ganzen Nachmittag einen Ohrwurm von einem Lied....oder vor allem vom Anfang...natürlich kann ich die Strophen nicht alle auswendig, aber ich mag sie irgendwie und auch die Melodie. Bestimmt singen wir es morgen wieder, da freu ich mich schon drauf. (https://music.youtube.com/watch?v=hIsPNvIy2uk)


1) Du lässt den Tag, o Gott, nun enden

und bereitest Dunkel übers Land.

Wir waren heut in deinen Händen,

nimm uns auch jetzt in deine Hand.


2) Die Erde kreist dem Tag entgegen,

wir ruhen aus in deiner Nacht.

Wir danken dir für Schutz und Segen

wie jeder Mensch der betend wacht.


3) Wenn uns der Schein der Sonne schwindet

und Licht den fernen Ländern bringt,

wird dein Erbarmen dort verkündet,

viel tausendfach dein Lob erklingt.


4) Denn wie der Morgen ohne Halten

als Leuchten um die Erde geht,

scheint auf in wechselnden Gestalten

ein unaufhörliches Gebet.


5) Dein Reich, o Gott, ist ohne Grenzen.

Auch da, wo Menschenmacht regiert,

wird neu der große Tag erglänzen,

zu dem du alle Menschen führst.


6) Wir wissen weder Tag noch Stunde,

wann du uns heimführst in dein Licht,

vertrauen deinem Neuen Bunde,

der uns verheißt dein Angesicht.


7) Am Abend unsrer Lebenswende

geleite uns aus Raum und Zeit,

geborgen fest in deine Hände,

ins Morgenlicht der Ewigkeit.


Ansonsten ist mein Tagespensum sehr überschaubar- und ich finde das eigentlich ganz gut. Die Mahlzeiten, der Hund, ein bisschen Haushalt (wobei ich wirklich viel für Mittwoch, wenn Daisy kommt, liegen lasse)- das reicht mir dann eigentlich.


Den Fernseher mache ich erst an, wenn es dunkel wird. Vorher versuche ich zu lesen (und dabei nicht einzuschlafen). Fernsehen entspannt mich dann so sehr, dass ich manchmal um Mitternacht gar nicht mehr müde bin, weil ich mich beim Fernsehgucken so schön ausgeruht habe. Heute kommt wieder "Wer wird Millionär", da kann ich mich richtiggehend drauf freuen.


Auf der Hundewiese traf ich Hebamme Karin, das war nett. Es war auch ein Typ mit einem hübschen Hund da, den ich anquatschte, weil er mir so bekannt vorkam. Irgendwann machte es aber "klick" bei mir: den Typen kenne ich nicht von der Hundewiese, sondern vom Dotty's, der Sportkneipe wo ich manchmal Doppelkopf spiele! Er arbeitet da oder, das halte ich für wahrscheinlicher- ist der Besitzer/Pächter. Aber wie schon dort war er auch in diesem neuen Kontext nicht besonders aufgeschlossen. Egal- es hat halt nicht jeder Interesse an Sozialkontakt.


Heute vormittag war es hier so eklig, mit Regen der so richtig an die Fensterscheiben gepeitscht hat, dass ich froh war, nicht aus dem Haus gehen zu müssen. Stattdessen hatte ich ein Zoom-Meeting mit dem Netzwerk "Leben mit Metastasen". Zusammen mit zwei anderen habe ich das heutige Treffen moderiert. Dafür habe ich ja vor einem Jahr eine richtige Ausbildung gemacht. Es wählen sich dann ca 10-20 Frauen aus ganz Deutschland ein, die auch Krebs mit Metastasen haben. Es gibt eine "Aufwärmrunde", wo jede die mag, zu einem vorgegeben Thema etwas sagen kann. Und dann werden die Themen gesammelt, die aktuell besprochen werden sollen.


Da wird einfach das Schwarm-Wissen der Gruppe angezapft. Da können praktische Fragen zu Krankengeld und Reha aufkommen oder auch sowas wie "Wie geht ihr damit um, wenn man absolut keine Lust mehr auf Chemo hat?" Ich finde es immer total hilfreich zu sehen, dass andere die gleichen Probleme haben wie ich. Manchmal begreife ich erst daduch, dass andere es benennen, was mein Problem überhaupt ist. Aktuell finde ich es zum Beispiel schwierig, so "dauerkrank" zu sein. Also ich bin nicht akut krank oder im Krankenhaus, wo man ja meist viel Zuspruch und Unterstützung und so bekommt. Sondern ich bin dauerhaft nicht fit. Ein bisschen schwankt es im Chemo-Rhythmus: an den Tagen danach bin ich noch weniger fit und nach der Chemo-freien Woche wird es besser.


Aber generell ist das neue "normal" ein Zustand, den ich nicht gut finde, in dem ich nicht die Tanja bin, die ich kenne und schätze. Sondern viel schlapper, desinteressierter, inaktiver. Ich kann weniger machen, bekomme weniger Input und bin sicherlich auch langweiliger. Tja- da werde ich mich wohl dran gewöhnen müssen. Dass ich mit weniger Sozialkontakten als früher auskomme, ist ja auch in Ordnung. Und wenn ich jemandem zu langweilig bin, ist das ja auch OK. Ich kann es nicht wirklich ändern. Ich weiss genau, dass es Menschen gibt, die mich trotzdem schätzen und lieben. Nicht für das was ich mache, sondern das was ich bin, auch wenn ich gar nicht viel mache. Hm, gut dass ich darüber nachgedacht habe : )








 
 
 

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