Kaffee
- tanja0563
- 27. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Dass Emilia mir morgens einen (Filter-)Kaffee ans Bett bringt, freut mich jedes mal neu. Heute musste sie dafür sogar den neuen Kaffee anbrechen und in die Dose füllen. Früher hätte sie gesagt "der Kaffee war leer" und hätte das neue Päckchen dahinter einfach ignoriert. Sie ist echt groß geworden.
Ein bissschen fühlt sich diese warme Tasse Kaffee aber auch wie ein Maulkorb an. Denn im Grunde ist der Deal "bleib Du im Bett und sprich mich nicht an, hier hast Du einen Kaffee". Aber das ist schon okay.
Vielleicht wäre es ihr noch lieber, ich würde einfach bei geschlossener Tür weiterschlafen? Aber das möchte ich nicht. Das Aufstehen bzw Aufwachen zur gleichen Zeit hat für mich was mit Synchronisation zu tun. Synchronisation sozusagen als Vorstufe zum Kümmern.
Aprospos Kaffee: mein elektrischer Espressokocher ist seit Anfang des Jahres kaputt. Vermutlich ist es nach 15 Jahren (!) einfach nur der Dichtungsring. Hab ich im Internet bestellt. Passt nicht. Hab einen kleineren bestellt. Passt immernoch nicht. Nun hab ich mir die Mühe gemacht, genau beim Hersteller zu suchen und dort auch so einen seltsamen Chat zu befragen, denn eine Telefonnummer habe ich nicht gefunden.
Der Chat konnte mir nicht nur die Frage beantworten, sondern hat mir direkt den Link geschickt. Schwupps, hatte ich den Dichtungsring im Einkaufswagen. Registrieren- ok, nervig aber dann: das Teil kostet 5 € aber die Versandkosten 7,50 €!? AUS STUTTGART?? Naja- da hab ich halt geschaut, was die noch so tolles im Angebot haben und schwupps- mit einem Sandwichmaker im Einkaufskorb wird auch gratis versandt. Und Emilia freut sich. Hat sich letzte Woche noch beklagt, dass wir -anders als die Freunde in Malaga- sowas nicht haben.
Heute morgen habe ich mir ausgemalt, was ich alles tolles machen könnte. Ein freier Tag!Waldspaziergang? Baumwipfelpfad? Konnte mich nicht entscheiden. Außerdem war Glätte gemeldet. Und bin dann bei Sonnenschein mit Edo und Rollator einfach nur zum Aldi gelaufen. Hab Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und Porree gekauft und noch ein paar Kleinigkeiten und ein paar Blümchen. Edo hat ganz brav draußen im Rollator gesessen und gewartet. Im Supermarkt tausche ich ja den Rollator gegen einen Einkaufswagen ein. Den Rückweg fand ich dann etwas mühsam und hatte am Ende wirklich das Gefühl, dass es eine richtige Sport-Einheit war!
Außerdem denke ich die ganze Zeit über zwei Projekte nach: Anfang März stelle ich das Buch "Die Wut, die bleibt" in dem Literaturkreis vor, den ich seit September besuche. Und natürlich möchte ich nicht nur fragen "uuund, wie hat es Euch gefallen?" sondern auf diese Gruppe bezogen schon auch aufzeigen, was ich an dem Buch so toll fand. Dafür muss ich es unter dieser Lupe eigentlich nochmal lesen. Damit ich das auch wirklich mache, habe ich mich für Mitte Februar mit Christiane verabredet, die ich vom "Malen nach Literaturimpulsen" und von der 5teiligen Buchbesprechung desselben Buchs kenne. Wenn ich ihr mein "Konzept" vorstelle, hat sie bestimmt noch Ideen aus ihrer Erfahrung mit Literaturkreisen oder so. Außerdem ist es ein netter Anlass, uns "privat" wiederzusehen.
Das zweite betrifft die Frauenselbsthilfe. Ende Mai treffen wir uns in Fulda und da können andere Metastasierte uns Moderatorinnen kennenlernen. Außerdem kommt ein Fotograf und will irgendwie festhalten "was bleibt". Dazu werden nun Meinungen ausgetauscht. Manche denken zuerst daran, Narben und so zu zeigen, andere wollen genau das nicht. Manche wollen Stärke und Lebensmut zeigen, andere eher Verletztheit, Angst, Schwäche. Immer klarer kommt heraus, dass man kaum abbilden kann, was uns verbindet. Dieses Balancieren auf dem Grat zwischen Leben und Tod. Abzeichnen tut sich nun die Idee, dass wir uns Blüten dort an die Kleidung machen, wo wir innen Metastasen haben. Hm.
Mich erinnert meine Knochenmetastase im Hinterkopf-Knochen daran, dass dies gerade nur eine Pause von meinem Krebs-Albtraum ist. Wenn ich drauf liege, tut sie neuerdings weh- das ist wie eine blöde Beule. Wenn es zu schlimm wird, kann man die wahrscheinlich bestrahlen. Aber im Moment hab ich lieber therapiefrei. Also: Aufstehen! Dann tu's auch nicht weh. Mal sehen wie es die nächsten Tage ist.
Aber beim Balancieren zwischen Leben und Tod denke ich oft "mach das, was DIR jetzt Freude macht!" Denn das ist es, was die schönsten Spuren hinterlässt. Und die sind wohl das beste von dem, was bleibt, oder?.




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