Glühwürmchen
- tanja0563
- vor 2 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Im Studium hier in Bonn hatte ich mal einen Freund, der wohl sehr verliebt in mich war- oder in die Idee, sehr verliebt zu sein? Jedenfalls wurde ich am Vorabend meines Geburtstages von einem seiner Kumpels nach Brühl gefahren und als es endlich dunkel wurde, durfte ich einen romantisch mit Kerzen beleuchteten Weg entlanggehen, der mich zum Ufer eines kleines Sees führte. Dort hatte ein Boot angelegt, darin mein damaliger Freund, der dann um Mitternacht der erste war, der mir gratulieren konnte. Und er schenkte mir nicht nur aus einer Flasche Champagner ein, zeigte mir die Glühwürmchen, sondern er schenkte mir auch einen goldenen Ring. Das alles war ein beeindruckender Aufwand und kurz vor meiner Abreise für das Erasmus-Semester nach Bologna.....
Tja, ich war damals ehrlich gesagt nur so halb begeistert: mir war das alles zu spät- schon als Studentin war ich keine Nachteule sondern einfach nur noch müde. Und ich mag und trage gar keinen Goldschmuck, höchstens Weißgold. Und so machte ich zwar gute Miene zum liebenswürdigen? Spiel, konnte aber den Gedanken nicht abschütteln, dass er dasselbe für Bianca oder Paula oder Annegret gemacht hätte, wäre sie in der Lebensphase an seiner Seite gewesen. Also ich hatte das Gefühl, das Ganze Spektakel habe nichts mit MIR zu tun.
Wieso komme ich darauf? Weil heute genau das Gegenteil passiert ist. Ich habe Besuch von Caren bekommen. Genau, die Caren aus dem Studium, die über ihre Stationen in Schweden, Hongkong und Namibia in den vergangenen 30 Jahren nicht verloren gegangen ist. Heute hat sie sich tatsächlich in aller Herrgottsfrühe im Schwarzwald in den Zug gesetzt, um in der Mittagszeit ein wenig ihrer knappen Zeit in Deutschland mit mir zu verbringen. Wir haben im Casino des Wissenschaftzentrums Gnocchi mit Spinat gegessen. Die Zeit verging wie im Flug: noch ein Kaffee im WZ Bistro, Besichtigung meiner Grabstelle, ein wenig Gebäck unterm Apfelbaum im Garten und plötzlich war es schon 15.30. Dabei kann die noch kleine Tochter natürlich nicht unbegrenzt bei der Oma geparkt werden, die ja auch schon ein paar Lenze zählt....
Zwischendurch gab es Telefonate mit der Uniklinik: morgen vormittag sind wir einbestellt damit uns der Bestrahlungsplan vorgestellt wird. Auf dieser Grundlage dürfen wir dann "in aller Ruhe" entscheiden, wie es weitergeht.


















Kommentare