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Caracas

  • tanja0563
  • 12. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Mein Tag, inklusive Physiotherapie, war schön und gut. Am Abend war wieder Doppelkopf. Das hin und her wer kommt oder nicht kommt und wieviele wir sind, geht mir immer wieder auf den Wecker. Aber dann waren wir zu fünft und es war perfekt und hat total Spaß gemacht. Mittlerweile ist es auch gar nicht mehr "peinlich", um 21 Uhr den Heimweg antreten zu wollen. Ich erinnere noch, dass ich am Anfang -mit anderen Mitspielern- dafür dumm angeguckt wurde.


Witzig finde ich auch, daß mir nicht nur die MitspielerInnen über die Jahre immer vertrauter werden, sondern tatsächlich auch die Bedienungen. Abgesehen davon, dass es total nett ist, dass die uns da ganz in Ruhe Karten spielen lassen und uns gar nicht zum Konsum bedrängen, obwohl die meisten von uns nichts oder nur Pommes, Tapas oder einen Nachtisch essen und wir uns den ganzen Abend an einem oder zwei Getränken festhalten. Tatsächlich hat die Kellnerin von heute beim Abkassieren sogar interessiert nachgefragt, was wir da spielen.


Doppelkopf kannte sie nicht, aber sie war dann ganz eifrig, uns einen Vortrag über kartenspielende, alte Männer in ihrer Heimat Venezuela zu halten. Ich fragte dann nach, ob sie aus Caracas kommt (wie schön, wenn man die Hauptstädte gelernt hat!) und sie bejahte und erzählte noch mehr. Von der Isla Margerita, dem Los Roques Archipel (Foto) und der -deutschen- Colonia Tovar.



Und die Geschichte dieser deutschen Kolonie finde ich so interessant, daß ich mal den Wikipedia-Eintrag, etwas gekürzt, hierher kopiere:


"Von 1777 bis 1821 gehörte Venezuela zum Generalkapitanat Venezuela, einer spanischen Kolonie auf dem südamerikanischen Kontinent. 1821 gelang es Simón Bolívar, die Unabhängigkeitskriege in Venezuela zum siegreichen Ende zu führen. Das Land wurde noch über Jahre durch Kämpfe zwischen Republikanern und Royalisten erschüttert.


Bis 1830 war Venezuela Teil der Republik Großkolumbien und wurde dann als Bolivarische Republik Venezuela selbständig. Die seit 1810 andauernden Kriege führten durch Kampfhandlungen, Seuchen und Hunger zu einem Rückgang der Bevölkerung um ca. 200 000 Menschen. Der Kongress von Venezuela verabschiedete 1840 auf Initiative des Präsidenten José Antonio Páez ein Gesetz, das die Einwanderung aus Europa und den Kanarischen Inseln förderte, um die durch die Befreiungskriege entstandenen Bevölkerungsverluste wieder auszugleichen und die Agrarproduktion zu steigern.


Der venezolanischen Staatssekretär Ángel Quintero nahm in Paris Kontakt mit dem italienischen Kartografen Agostino Codazzi auf, der dort 1840 an einer Karte von Venezuela arbeitete, wobei er mit dem aus Endingen stammenden Kupferstecher und Topograf Alexander Benitz zusammenarbeitete. Codazzi sollte für die venezolanische Regierung eine Studie erstellen, die die besten Orte für die landwirtschaftliche Ansiedlung von Einwanderern aufzeigte. Auf Empfehlung von Alexander von Humboldt nahm Codazzi auch Kontakt mit den Behörden der Kaiserstuhl-Gemeinden auf.


Im August 1841 kamen Codazzi und Benitz im venezolanischen Hafen La Guaira an. Codazzi startete seine Erkundungsreise und schlug im November dem Innenministerium eine Siedlung in den Cordillera de la Costa zwischen dem Karibischen Meer und dem Tal des Aragua Flusses vor. Das Ministerium befürwortete den Plan, das Parlament bewilligte innert zwei Wochen das Projekt und den Kredit und Codazzi gründete für das Projekt entsprechend dem Einwanderungsgesetz mit drei Partnern eine Kolonisierungsgesellschaft. Codazzi und Ramon Diaz traten dabei als aktive Geschäftspartner auf, Martín Tovar y Ponte förderte das Projekt auf der politischen Ebene und war Bürge für den vom Staat eingeräumten Kredit. Sein Neffe Manuel Felipe de Tovar stellte ca. 15 Quadratkilometer Urwald aus seinem Besitz für den Aufbau der Siedlung zur Verfügung. Der Platz wurde später nach der Familie Tovar benannt.


1843 wanderten 358 Bürger aus der Gegend des Kaiserstuhls über Le Havre nach Venezuela aus, vornehmlich aus Endingen am Kaiserstuhl, Forchheim, Wyhl, Wasenweiler und Oberbergen. Die Gruppe verließ Le Havre am 19. Dezember 1842 an Bord des französischen Dampfers Clémence und erreichte am 4. März 1843 den venezolanischen Hafen La Guaira. Nach Quarantäne und einem beschwerlichen Marsch von Choroní in die Berge erreichte sie am 8. April 1843 die gerodete Urwaldfläche beim Palmar de Tuy.


Obwohl es zur Enttäuschung der Siedler noch keine Unterkünfte gab, gilt dieses Datum als Gründungstag der Colonia Tovar. Die Bauern pflanzten Gemüse und Obst an und brauten auch das erste Bier Venezuelas; sie bauten ihre Häuser im Fachwerkstil. Die Dorfgemeinschaft blieb bis 1942 mit eigenen Gesetzen unter sich und geriet nach und nach in Vergessenheit.


Erst nach dem Bau einer Asphaltstraße 1964 hielt die Moderne Einzug in Colonia Tovar. In den 1960er Jahren nahmen die Einwohner der Colonia Tovar, die bis heute ihre Sprache im alemannischen Dialekt (Kaiserstühler Dialekt) und ihre Traditionen bis hin zur alemannischen Fastnacht (Fasnet) pflegen, wieder engen Kontakt zu ihrer badischen Heimat auf. So kommt es, dass viele Nachfahren ihre Ausbildung in Deutschland machten. Das Dorf ist heute eine beliebte Touristenattraktion und Wochenendausflugsziel für die Einwohner von Caracas.


Am 18. und 19. Mai 2017 kam es im Rahmen der Proteste gegen die Maduro-Regierung zu schweren Ausschreitungen, woraufhin die Kolonie vom Militär besetzt wurde. Kurz darauf besuchte der gerade im Lande weilende deutsche Bundestagsabgeordnete Charles M. Huber den Ort, um die Bevölkerung dort zu unterstützen und zur Beruhigung der Lage beizutragen.




Falls Du auch noch mehr wissen willst: https://de.wikipedia.org/wiki/Colonia_Tovar#

und hier https://www.schriftenreihe-tovar.de/geschichte/default.html sind sogar die Namen der Familien aus dem Schwarzwald gelistet, die 1842 ausgewandert sind und in Venzuela ihr Glück gesucht haben.


Und warum heisst Venzuela eigentlich Venezuela? Der Italiener Amerigo Vespucci soll dem Land seinen Namen gegeben haben. Die Pfahldörfer der Indios, die er bei einer seiner Reisen sah, hätten ihn an Venedig (Venezia) erinnert, heißt es. Deshalb habe er das Gebiet Venezuela, also Klein-Venedig, genannt.


So, genug der Geografie bzw. Geschichts-Stunde ; ) Morgen ist ein neuer Tag!



 
 
 

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