Brandstifter
- tanja0563
- 17. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Nach der dreistündigen (!?!) Generalprobe für die Lesung am Montag gab es leckeres Mittagessen, gekocht von Emilia und Roberto. Brokkoli mit Kichererbsen, Paprika, Lauch und Frischkäse. Und natürlich Zwiebeln, Möhren und Sellerie. Danach wäre ein Mittagspäuschen auch nicht übel gewesen, aber wie vorhergesagt war das Wetter super und ich habe mein -mir gemachtes- Versprechen eingelöst und bin mit Edo zur Hundewiese. War schön und ich glaube auch, dass das besser gegen meine Erschöpfung hilft als Hinlegen. Ich schlafe oder ruhe ja nachts auch genug.
Auch nach den 2 Stunden draußen hatte ich noch Zeit "Rütter, der Hundeprofi" zu schauen. Zwar haben Emilia und Roberto zeitgleich Karten gespielt, ich habe aber einfach die Bluetooth-Overear-Kopfhörer benutzt. Das hat prima geklappt.
Und dann waren Emilia und ich mit einigen aus meinem Literaturkreis im Schauspielhaus Bad Godesberg. Es ist das größte Schauspielhaus der Stadt Bonn und der erste Theaterneubau der Bundesrepublik Deutschland der Nachkriegszeit. Es lief "Biedermann und die Brandstifter" von Max Frisch. Das Buch ist von 1957 aber erschreckend aktuell.
Ich fand es wirklich beklemmend, denn an so vielen Stellen sehe ich Benzinfässer und Streichhölzer und mache doch nichts, außer beruflich in dem Bereich Klimawandel und Gesundheit gearbeitet zu haben, auf Fernflüge zu verzichten, ein E-Auto zu fahren, im Energiespar-Haus zu wohnen, auf Modetrends nicht einzugehen und auf bio- und Nachhaltigkeit zu achten, wo es mir passt. Und mich darauf auszuruhen, dass ich ja schwer krank bin und sowieso nichts machen kann.
Und beim Thema Außenpolikik ist es ja noch schlimmer. Von der AfD ganz zu schweigen.
Aufregen tu ich persönlich aber auch, wenn unser Bundeskanzler heute bemängelt, dass in Deutschland die Menschen 15 Tage im Jahr krank sind, im Durchschnitt. "Ist das wirklich nötig?" hat er wohl gefragt. Das ist doch eine doppelte Ohrfeige: an die arbeitende Bevölkerung, insbesondere die kränkelnde, aber auch an die krankschreibenden Ärzte. Kann es nicht auch sein, dass so manche Arbeit heutzutage krank macht und nicht mehr zeitgemäß ist??
Noch zum Thema "schwer krank". Abgesehen davon, dass es mir ja in dieser Chemo-Pause zunehmend (!) gut geht, erinnere ich mich immer wieder an ein Buch von Juli Zeh ("leere Herzen", 2017), in dem eine Agentur selbstmordgefährdete Menschen ermittelt und therapiert. Wer im Laufe des angebotenen Behandlungsprogramms Besserung und neuen Lebensmut verspürt, verlässt das Programm und spendet zumeist freiwillig aus Dankbarkeit Geld. Wer nach voller Behandlung immer noch sehr deutlich suizidal ist, wird gebührenpflichtig als Selbstmordattentäter an islamistische Gruppen oder gewaltbereite Umweltorganisationen (!) vermittelt und auf seine finale Mission vorbereitet. Interessante Idee, oder? Das Buch ist allerdings insgesamt nicht so gut angekommen.
Morgen ist, man glaubt es kaum, ein neuer Tag- welch schöner Traum!




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